Kunst & Bühne

hugo! im Gespräch mit Ulli Raab


Hugo im Gespräch mit Ulli Raab

hugo!: Getroffen haben wir uns im Kellerwald, deinem Lieblingsplatz in Forchheim. Was macht den Kellerwald für dich so besonders?

Ulli Raab: Der Kellerwald ist ein wunderbarer Ort. Viele Eichen, man ist im Freien, man schaut durch die Blätter in den Himmel und fühlt sich einfach frei.

hugo!: Als ehemaliger Rektor einer Schule hast du mit vielen unterschiedlichen Menschen zu tun gehabt, hattest Einblicke in die verschiedensten Schichten. Ist Forchheim eine typische Kleinstadt oder was genau macht diese Stadt so anders?

Ulli Raab: Ich möchte nicht sagen, dass Forchheim eine Kleinstadt ist. Forchheim ist eine sehr liebenswerte Stadt. Wenn ich mal Besuch von Freunden aus Berlin oder Aachen habe, dann wundern sie sich, wenn wir durch die Stadt gehen, wen man alles so kennt. Ich wurde des Öfteren gefragt, ob das nicht belastend ist? Ich sag dann, wenn man sich in der Stadt wohlfühlt und sich nichts zu Schulden kommen lässt, dann lebt sich es hier ganz gut. Es macht natürlich auch Spaß in so einer kleinen Stadt das Leben mitzugestalten. Ich stelle mir das in einer größeren Stadt schwieriger vor, weil da die Wege länger sind und in Forchheim kann man halt auch mal zum Beispiel einfach ein Benefizkonzert veranstalten. Die Verwaltungswege sind halt nicht so lang.

hugo!: Die fünfte Jahreszeit für den Kellerwald rückt langsam näher und damit auch deine besondere Liebe. Was verbindet dich damit?

Ulli Raab: Ja, das Annafest… Mein Wahlspruch ist ja „alla Dooch Annafest“. Das werde ich wahrscheinlich niemals schaffen, dass das Annafest über das ganze Jahr gefeiert wird, aber es ist eine ganz besondere Zeit. Man fiebert darauf hin und es wird ja auch wieder ein Annafest-T-Shirt geben, die Leute fragen schon danach. Ich werde jetzt schon langsam wieder nervös und wenn es dann soweit ist, entspannt sich alles, man wird ruhig und lässt sich von diesem grandiosen Fest einfach treiben.

hugo!: In Erlangen heißt das ja: man macht den großen Bergschein, wenn man jeden Tag auf die Bergkirchweih geht. Du hast wie du schon sagst den Spruch geprägt: „alla Dooch Annafest“. Wie kam es dazu?

Ulli Raab: Also erstens mal stammt der Spruch nicht von mir. Das war von einem früheren Freund gewesen, der, als ich früh zur Arbeit fuhr, aus dem Kellerwald gekommen ist und diesen Spruch gerufen hat. Den habe ich lange Zeit für mich verinnerlicht. Dann kam ich auf die Idee diesen Spruch mit meinem Freund Atze Bauer auf ein T-Shirt zu drucken. Dass er aber so einen Kultcharakter annimmt, hätte ich nie gedacht. Als die Stadt dann nachgefragt hat “Dürfen wir den verwenden?“, habe ich erst ein bisschen gezögert, aber die Freunde haben mir gesagt „Das wolltest du, dann muss es jetzt so sein.“

hugo!: Was bedeutet eigentlich King Alladooch und wer hat dir diesen Namen gegeben?

Ulli Raab:Der Kult hat ja schon vor 25 Jahren angefangen und als dann ab dem Jahr 2000 das Internet so schnell geworden ist, hatten wir auf der Annafest-Seite so eine Art Chat, wo wir uns im Freundeskreis verabredet und Namen gegeben haben. Mein Name stammt vom Thomas Puppich, der hat gesagt „Na, du bist alla Dooch da oben, du bist der King Alladooch“. Bevor wir aufs Annafest gegangen sind haben wir uns über diesen Chat bereit gemacht: Wo treffen wir uns? Wer ist da? So ist das entstanden.

hugo!: Jedes Jahr kreierst du ja ein neues Annafest-T-Shirt. Sozusagen „DAS“ Annafest-T-Shirt. Was inspiriert dich dazu immer wieder etwas Neues zu gestalten, damit es nur für dieses Jahr eine exklusive Version gibt?

Ulli Raab: Es ist immer wieder schwierig. Mein Freund Atze sagt, wenn du im Februar soweit wärst, dann können wir das schon mal vordrucken und wir hätten etwas mehr Luft, aber das geht bei mir tatsächlich nicht. Diese Nähe zum Annafest muss da sein, es gibt ja ab und zu auch mal politische Bezüge wie zum Beispiel diese „YES WE CAN“ von Barack Obama wo wir dann „JA MIR KÖNNA“ draus gemacht haben. Aber auch mal mit einem Bezug zum Stadtbad, dem Königsbad, damals, wo die Forellen aus dem Wappen gesprungen sind. Es ist immer ein Motiv mit einem kleinen Augenzwinkern, es soll nichts großes Politisches sein, einfach dieses Augenzwinkern. Manchmal auch nur ein Motiv, das dem Annafest angemessen ist.

hugo!:Was würdest du dir wünschen, um den jungen Leuten das Annafest einfach mal als Kultur näher zu bringen und nicht nur als Fest zu präsentieren, wo man sich zusäuft?

Ulli Raab: Das ist sehr sehr schwierig und ich denke, man darf da nicht mit dem Zeigefinger ´ran gehen. Ich erinnere mich noch als ich so 16 Jahre war. Meine Freunde und ich haben da immer vor dem Annafest gearbeitet und wir haben uns ein Annafest-geld verdient. Wir sind dann in den Kellerwald gegangen und haben auch tatsächlich etwas da gelassen. Ich zum Beispiel habe Nachhilfe gegeben oder Autos gewaschen. Das Vorglühen ist für mich persönlich so ein Ärgernis. Wenn man dann da ´rauf geht und die Leute haben dann in ihren Flaschen schon die Alkoholika. Ich denke, man sollte den jungen Leuten das „Kommen, Genießen und sich freuen“ wieder nahe bringen, aber das muss aus der Generation selber kommen.

hugo!: Vollende bitte folgenden Satz “Das Annafest ist für mich…“

Ulli Raab: …ein großes Festival, um Leute kennen zu lernen und einfach jeden Tag dort zu genießen.

hugo!: Jetzt bist du ja seit einem Jahr pensioniert und könntest das Leben in Ruhe und Gelassenheit genießen. Den Kellerwald öfter besuchen und deinen Hobbys nachgehen, hast aber die Führung im Jungen Theater mit übernommen. Was hat dich dazu bewogen oder ist dir nur langweilig?

Ulli Raab: Nein, langweilig ist mir nicht, aber mir liegt die Kultur in Forchheim sehr am Herzen. Durch das erste ZirkArt Festival hatte ich meine ersten Berührungspunkte mit dem Jungen Theater. Ich hab das Geschehen immer verfolgt und denke, wir müssen die Kulturdebatte in Forchheim wieder aufnehmen und dass ich da der richtige Mann bin. Ich bin ein Mensch des Ausgleichs und glaube ich kann da viel bewegen.

hugo!: Jetzt noch eine persönliche Frage: Du strahlst immer so viel Gelassenheit und positive Energie aus. Gibt es dafür ein Geheimrezept?

Ulli Raab: Man könnte jetzt auch mit chinesischen Sprichwörtern kommen, aber ich glaube, der Tag ist der gleiche – egal, ob ich lächle oder grantig durch die Gegend laufe. Grantige und bösartige Menschen sind mir ein Greul. Ich denke, das Lächeln, das du aussendest – das ist jetzt ein chinesisches Sprichwort – kehrt zu dir zurück. Außerdem, in der Ruhe liegt die Kraft. Es bringt überhaupt nichts, wenn man sich in die Hektik treiben lässt. Man verliert dann sehr schnell den Überblick.

hugo!: Was würdest du unseren Lesern noch mitgeben zum bevorstehenden Annafest?

Ulli Raab: Ich würde sagen: Genießt dieses Fest in Maßen und mit Maßen, schaut euch das an, was da mittlerweile geboten wird. Ich finde da ist ein sehr hoher Standard geboten, vom Essen her, von den Schaubuden und so weiter. Nehmt das einfach mit, unsere Schausteller kommen immer wieder gerne, weil dieser Familienfest Charakter in Forchheim noch geboten wird. Einfach auch mal zu Zeiten kommen, wo nicht so viel los ist. Das Annafest hat viele Nischen. Ich gehe selbst mit meiner Mutter, die im Rollstuhl sitzt, am Donnerstag und Freitagnachmittag rauf. Da ist nicht so viel los. Ich muss mich nicht am Samstagabend mit Freunden durch die Gegend schieben lassen. Es gibt so wunderbare Plätze am Annafest und die gilt es zu entdecken

Einen haben wir noch…

hugo!: Morgens Kaffee oder Tee oder gar keine Zeit zum Frühstücken?

Ulli Raab: Tee.

hugo!:Der letzte Kinofilm, den Du gesehen hast?

Ulli Raab: Ich kann mich nicht erinnern.

hugo!:Das letzte Buch, das Du gelesen hast?

Ulli Raab: Ich lese zur Zeit Kriminalromane. Ostfriesen Krimis.

hugo!:Urlaub in den Bergen am Meer oder dann doch lieber in der Stadt?

Ulli Raab: Eine Antwort: Meer!

hugo!:Drei im Weggla, Saure Zipfel oder doch lieber Sushi?

Ulli Raab: Drei im Weggla.

hugo!:Ein Laster, bei dem Du Dich immer wieder erwischst?

Ulli Raab: Manchmal einfach so in den Tag hinein leben.

hugo!:Lieblingsfernsehsendung oder Lieblingsserie?

Ulli Raab: Person of Interest.

hugo!: Was darf im Kühlschrank niemals fehlen?

Ulli Raab: Fränkische Wurstwaren und ein guter Käse.

Hugo!: Wir bedanken uns für das Gespräch und wünschen weiterhin gute Ideen und Kreativität!


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