Hätte ich das nur früher gewusst !!

Immer wieder stehen viele Studierende vor einer ganz besonderen Herausforderung: der Bachelorarbeit. Je nach Studiengang hat man schon eine oder sogar mehrere Hausarbeiten geschrieben, was natürlich hilfreich ist – eine gewisse Routine kann schließlich nicht schaden. Trotzdem ist die Bachelorarbeit noch einmal was anderes – nicht zuletzt wegen der Gewichtung, schließlich ist sie für die meisten die erste Abschlussarbeit. Wie das Anmelden und Schreiben einer Arbeit wirklich abläuft, weiß jedoch vorher kaum jemand. Deshalb haben wir für euch zehn Tipps zusammengestellt, die ihr bei eurer Bachelorarbeit beachten solltet.

1. Anfangsinteresse: Sucht euch ein Thema, dass euch WIRKLICH interessiert. Ihr werdet euch damit lange und intensiv auseinandersetzen. Sehr lange. Und ihr werdet es irgendwann zwangsläufig hassen. Dann den Titel noch mal lesen und sich denken „Super, klingt voll spannend!“ motiviert, weiterzumachen.

2. Die Themenauswahl: Welcher Bereich eures Studienfaches interessiert euch also ganz besonders? Kann man in dem Bereich ein Thema finden? Wenn ihr dazu eine grobe Idee habt, schaut euch entsprechende Literatur an: Welcher Bereich des Themas ist vielleicht noch nicht besonders gut erforscht, bietet aber genug Literatur, um daran anknüpfen zu können? Haltet immer wieder Rücksprache mit euren Dozenten, die können gute Tipps geben und helfen, das Thema einzugrenzen. Oftmals liegt nämlich genau darin das Problem: 30 bis 45 Seiten klingt erstmal ganz schön viel, um sich intensiv wissenschaftlich mit einem Thema auseinanderzusetzen; es ist aber nicht viel Platz. Also heißt es, sich immer stärker zu fokussieren, bis man das perfekte Thema gefunden hat. Lasst euch aber nicht zu sehr reinreden – Vorschläge von Dozenten sind schön und gut und die Absprachen wichtig, aber das endgültige Thema muss euch interessieren – der Dozent muss die Arbeit schließlich nur lesen, während es euch über eine lange Zeit verfolgen wird.

3. Die Dozentenauswahl: Oft habt ihr die Möglichkeit auszuwählen, bei welchem Dozenten oder bei welcher Dozentin ihr eure Bachelorarbeit schreiben wollt. Natürlich müsst ihr schauen, wer am besten zu eurem Thema passt, aber es ist auch hilfreich, wenn ihr dort schon einmal eine Hausarbeit geschrieben habt. Stilistisch ist auch beim wissenschaftlichen Schreiben eine große Bandbreite möglich, deshalb ist es wichtig zu wissen, worauf die entsprechenden Dozenten Wert legen.

4. Literaturauswahl: Ihr werdet sehr viel mehr Literatur lesen, als ihr letztendlich für die Arbeit braucht. Das fängt schon damit an, dass ihr euch Literatur ausleihen und durchschauen solltet, sobald ihr eine grobe Idee habt, in welche Richtung eure Bachelorarbeit gehen soll. Bestehende Forschungsliteratur kann euch helfen, euer Thema genau einzugrenzen.
Sobald das Thema feststeht ist es ratsam, nur noch Literatur auszuleihen, die wirklich konkret mit dem Thema zu tun hat, sonst kommt ihr vor lauter lesen nicht zum Schreiben. Wichtig ist es hierbei auch Aufsätze nicht zu vernachlässigen, insbesondere bei aktuellen Themen. Lasst euch von euren Dozenten Tipps geben, die kennen sich in der Forschungsliteratur schließlich gut aus und haben eventuell sogar selbst schon eine entsprechende Publikation.

5. Timing: Eine Bachelorarbeit will gut geplant und nicht zuletzt zeitlich durchorganisiert werden. Solltet ihr euch direkt im Anschluss für einen Masterstudiengang bewerben wollen, erst recht an einer anderen Uni, solltet ihr rechtzeitig prüfen, wann ihr dort euren Bachelorabschluss nachweisen müsst. Gegebenenfalls reicht es nämlich nicht, wenn ihr eure Bachelorarbeit erst Ende des Semesters fertig geschrieben habt, zum Beispiel wenn der Masterstudiengang einen Numerus clausus hat, den ihr vor Studienbeginn nachweisen müsst. Denkt daran, die Korrektur der Arbeit braucht auch Zeit!
Wenn die Abgabe der Arbeit aber am Ende des Semesters sein soll, dann solltet ihr sie drei Monate vor Semester anmelden – drei Monate lang habt ihr nämlich Zeit, sobald die Arbeit erstmal angemeldet ist. Allerdings fängt die Arbeit nicht erst mit der Anmeldung an, ihr müsst euch vorher schon genau mit dem Thema auseinandergesetzt haben, Literatur gesucht und zumindest einen groben Plan, oder die erste Gliederung für eure Arbeit haben. Insgesamt solltet ihr spätestens Anfang des letzten Semesters anfangen, euch Gedanken um die Bachelorarbeit zu machen und erste Recherchen durchzuführen.

6. Anmeldung: Dazu muss das Thema schon feststehen, der Titel muss nämlich auf dem Formular angegeben werden. Entweder ihr meldet die Arbeit direkt bei eurem Dozenten an, oder ihr lasst ihn das Formular ausfüllen und unterschreiben und müsst es selbst zum Prüfungsamt bringen – das ist vom jeweiligen Dozenten abhängig. Mit der Anmeldung wird auch euer Abgabedatum angegeben: genau 3 Monate nach Anmeldung der Arbeit. Wenn ihr eure Arbeit also am 25. Juni anmeldet, ist der 25. September Abgabeschluss. Liegt euer Abgabedatum schon im neuen Semester, müsst ihr euch entweder Rückmelden (inklusive Semesterbeitrag zahlen und ein weiteres Hochschul-/Fachsemester auf dem Konto), oder ihr gebt die Arbeit trotzdem am Semesterende, also vor eurem eigentlichen Abgabedatum, ab und braucht das Studium nicht verlängern.

7. Arbeitsweise: Lasst euch nicht beeinflussen. Von niemandem. Ihr selbst wisst am besten, wie ihr arbeitet, erst recht, wenn ihr schon Hausarbeiten geschrieben habt. Ihr schreibt am liebsten nachts? Dann habt kein schlechtes Gewissen, wenn ihr den halben Tag verschlaft, den andere in der Bibliothek nutzen und an ihrer Arbeit schreiben – wenn ihr euch nachts besser konzentrieren könnt, dann schreibt eben nachts. Euch fällt zuhause die Decke auf den Kopf? Geht in ein Café, in den Park, auf die Kaiserburg, oder wo auch immer ihr euch wohlfühlt – nehmt euren Laptop und Kopfhörer mit und auf geht’s! Nehmt euch ganze Tage nur zum Schreiben frei oder findet einen Ausgleich mit Sport oder Treffen mit Freunden – nur ihr selbst könnt herausfinden, wie ihr am besten arbeitet. Lasst euch nicht verunsichern, ihr habt euren Weg gefunden, wenn die andern einen anderen gehen, kann euch das egal sein – viele Wege führen nach Rom.

8. Korrekturlesen: Plant auf jeden Fall genug Zeit ein! Lest die Arbeit selbst Korrektur, nicht nur am Computer, sondern auch in ausgedruckter Form – schwarz auf weiß auf Papier fallen einem doch meist mehr Fehler auf als am Bildschirm. Schlaft mindestens eine Nacht drüber, nachdem ihr die Arbeit fertig geschrieben habt, um etwas Abstand zu gewinnen. Anschließend gebt die Arbeit anderen Leuten zum Korrektuelesen, am besten jemandem, der sich mit dem Thema zumindest grob auskennt (zum Beispiel einem Kommilitonen) und jemandem, der sich nicht damit auskennt (zum Beispiel euren Eltern oder Freunden). So geht ihr sicher, dass eure Arbeit verständlich ist.

9. Abgabe: Informiert euch vorher, wann ihr eure Arbeit in welcher Form abgeben müsst: Gibt es Vorgaben, wie die Arbeit gebunden sein muss? Wie viele Exemplare müssen abgegeben werden? Muss eine digitale Kopie (zum Beispiel auf CD) mit abgegeben werden? Bereitet alles gut vor und gebt die Arbeit möglichst mindestens einen Tag vor Abgabeschluss ab – falls doch etwas fehlt, habt ihr so die Gelegenheit, die Arbeit trotzdem rechtzeitig abzugeben.

10. Und dann? Heißt es abwarten und Tee trinken. Bis eine Bachelorarbeit Korrekturgelesen ist, kann es seine Zeit dauern, erst recht, wenn ihr zwei Prüfer habt. Ihr solltet mit eurem jeweiligen Dozenten klären, wann ihr mit der Note rechnen könnt, um gegebenenfalls auch nachfragen zu können. Die meisten Dozenten korrigieren mehr als nur eine Arbeit pro Semester und wenn ihr einen wichtigen Termin habt, an dem ihr euren Abschluss oder eure Note nachweisen müsst, sagt dem Prüfer rechtzeitig bescheid. Auch ohne korrigierte BA ist es möglich, von eurem Prüfer eine Bestätigung über den Abschluss des Studiums zu erhalten, die euch das Prüfungsamt ausstellen kann. Das ist besonders nützlich, wenn ihr euch für einen NC-freien Master einschreiben wollt.


Dann bleibt nur noch eines zu sagen: Viel Erfolg und haltet durch! Auch wenn euch die Arbeit eventuell an den Rand der Verzweiflung bringen wird, haltet durch und – das ist vielleicht der wichtigste Tipp – verliert vor allem nie den Glauben an euch selbst.