Von Hundefressern und Zwiebeltretern – wie die Franken ihre Nachbarn nennen und warum
Ausstellung im Pfalzmuseum vom 24.9 – 31-10.21
Seine Nachbarn zu verspotten ist nicht unbedingt ein feiner Wesenszug, dies hat sich aber in zahlreichen „Spitznamen“ fränkischer Orte überliefert. Mit einer Sonderausstellung widmet sich das Pfalzmuseum Forchheim vom Freitag, den 24. September bis zum Sonntag, den 31. Oktober 2021 (Dienstag bis Sonntag 10:00 bis 17:00 Uhr, Eintritt 5 Euro) den „Zungenausreißern“, „Mauerscheißern“, „Hungerleidern“ oder „Wasserpolacken“ – beinahe jede Stadt und jedes Dorf hat einen bitterbösen Spitznamen abbekommen.
Humor ist gefragt für diese Streifzüge auf die böse Seite der fränkischen Gemütlichkeit. Denn dem Volksmund wird eine ungeheuerliche Kreativität attestiert, wenn es darum geht, komplexe historische Sachverhalte in nur einem Wort zu komprimieren – und sie zugleich mit einer zeitlosen Nachhaltigkeit auszustatten. 400 Jahre nach ihrer Entstehung haben die „Tümpelschöpfer“ (Lichtenfels) noch die „Flaggn“ (Herzogenaurach) nichts von ihrer schmerzenden Treffsicherheit verloren.
So verweist etwa die Verunglimpfung der Forchheimer*innen als „Mauerscheißer“ nicht allein auf jene Schnitzfiguren am alten Rathaus, die den Passant*innen den blanken Hintern entgegen strecken. Sondern der Volksmund der Nachbarn griff die ins Stadtbild eingeschriebenen Figuren auf, um die Forchheimer mit der Erinnerung an die schlimmsten Jahre ihrer Geschichte quälen zu können, den dreißigjährigen Krieg, als mehrere Belagerungen durch die Schweden und ebenso viele Ausbrüche der Pest die Bevölkerung auf ein historisches Minimum dezimierte, obwohl sie sich hinter dicken Festungsmauern sicher glaubte.
Auch der Spitzname von Ebermannstadt, „Hungerleider“, bezieht sich auf eine Belagerung im dreißigjährigen Krieg – und legt zugleich den Finger in die Wunde, dass die Bewohner des reichen Tors zur Fränkischen Schweiz einmal vor lauter Kärwa, Völlerei und Trunkenheit einen Landstreicher vergaßen, den sie ins Gefängnis geworfen hatten – wo er verhungerte.
In der Ausstellung hilft ausführliches Begleitmaterial, die Logik zu verstehen, mit der der fränkische Volksmund geographische Gegebenheiten, historische Ereignisse und natürlich auch aberwitzige Unterstellungen zu einem Ortsschimpfnamen verdichtet und nimmt die Frage der Urheberschaft genauer unter die Lupe.
Mehr unter: www.kaiserpfalz.forchheim.de
