Das Wagengrab von Essenbach – Ein Bronzezeitlicher Schatz vom 25. Juli 2024 – 7. Januar 2025 im Germanischen Nationalmuseum

2011 sorgte ein bedeutender archäologischer Fund in Essenbach, Niederbayern, für Aufsehen: Ein bronzezeitliches Wagengrab, das die Überreste eines hochrangigen Mitglieds der damaligen Gesellschaft enthielt. Dieses Prunkgrab, das in die frühe Urnenfelderzeit datiert, enthielt nicht nur die sterblichen Überreste des Verstorbenen, sondern auch einen Zeremonialwagen, diverse Beigaben und Artefakte, die seine Bedeutung und seinen Status innerhalb eines weitreichenden Elitenetzwerks verdeutlichen.

Eine Ausstellung von internationaler Bedeutung

Die Funde aus dem Wagengrab von Essenbach sind nun im Germanischen Nationalmuseum zu sehen. Die Ausstellung beleuchtet den kulturellen Austausch in der Bronzezeit, der von der russischen Steppe über den Nahen Osten bis nach Europa reichte. Generaldirektor Prof. Dr. Daniel Hess betont die überregionale Bedeutung des Fundes und wie die Ausstellung die Funde in einen gesamteuropäischen Kontext stellt.

Die Schätze des Wagengrabs

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen die Überreste des vierrädrigen Prunkwagens, der zusammen mit dem Verstorbenen verbrannt wurde. Zu den Funden gehören beschlagene Teile des Wagens, Bestandteile des Pferdegeschirrs, ein Schwert, kleine Bronzegewichte, ein bronzenes Rasiermesser und ein goldener Ring. Besonders bemerkenswert ist das absichtlich verbogene und zerbrochene Schwert, ein symbolischer Akt, der das Schwert der diesseitigen Nutzung entzog und es dem Jenseits widmete.

Handel und Macht in der Bronzezeit

Die Artefakte aus dem Wagengrab verweisen auf die bedeutende Rolle des Verstorbenen in Produktion und Handel, was auf wirtschaftliche Macht hinweist. In der Bronzezeit war der Handel mit Kupfer und Zinn, den Hauptbestandteilen der Bronze, weit verbreitet. Diese Metalle wurden aus dem Alpenraum und dem heutigen Cornwall importiert, was weitreichende Handelsnetzwerke erforderte. Der Fundort Essenbach lag strategisch günstig an einer bronzezeitlichen Fernhandelsroute.

Der Zeremonialwagen: Ein Statussymbol

Der Zeremonialwagen, ein Symbol des Prestiges, unterstreicht die herausragende Stellung des Verstorbenen. Mit der Domestizierung des Pferdes und der Entwicklung leichter, zweirädriger Wagen wurden solche Fahrzeuge exklusiv von einer gesellschaftlichen Elite genutzt. Diese technischen Innovationen waren nur für diejenigen zugänglich, die über entsprechende Ressourcen verfügten.

Religiöse Symbolik und kulturelle Bedeutung

Die archäologischen Funde deuten darauf hin, dass der Zeremonialwagen auch eine religiöse Funktion hatte. In der Bronzezeit spielte die Sonne eine zentrale Rolle in der religiösen Vorstellung. Der Wagen, dessen Form an ein Schiff erinnern sollte, symbolisierte die Reise des Sonnenfahrers über den Himmel. Dies verleiht dem Verstorbenen eine kultisch-religiöse Bedeutung.

Einblicke in die Bronzezeit

Die Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum bietet eine einmalige Gelegenheit, hochrangige internationale Leihgaben aus fünf Ländern zu sehen und einen Einblick in das Leben und die Kultur der Bronzezeit zu erhalten. Die Funde aus Essenbach, die 2019 als Schenkung der Marktgemeinde Essenbach ans Museum kamen, sind ein unschätzbarer Schatz für die archäologische Forschung.

Ein spektakulärer Fund in Essenbach

Das Wagengrab von Essenbach ist ein bemerkenswerter Fund, der nicht nur die Geschichte der Bronzezeit beleuchtet, sondern auch den kulturellen Austausch und die Handelsnetzwerke jener Zeit offenbart. Die Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum bietet eine einzigartige Gelegenheit, diese beeindruckenden Funde in einem europäischen Kontext zu erleben und die Bedeutung dieses bronzezeitlichen Schatzes zu verstehen.

 

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Germanisches Nationalmuseum
Kartäusergasse 1 | 90402 Nürnberg
Tel. 0911 1331-0 | www.gnm.de
Öffnungszeiten:
Di – So 10.00 – 18.00 Uhr | Mittwoch 10.00 – 20.30 Uhr
Montag geschlossen
 

 

Exkurs: Bronzezeit 

Die Bronzezeit dauerte von etwa 2.200 v. Chr. bis 800 v. Chr. Die Urnen- felderzeit ist ein Zeitabschnitt der Bronzezeit, der den Zeitraum von 1.300 v. Chr. bis 800 v. Chr. umfasst. Archäologen unterteilen die Bronze-zeit in Mitteleuropa in drei Abschnitte: die Frühbronzezeit, in der Körper-be-stattungen in flachen Erdgräbern üblich waren, die Mittelbronzezeit, in der Tote in Grabhügel beigesetzt wurden und die deshalb auch als Hügelgräber-Bronzezeit bezeichnet wird, und die Spätbronzezeit, in der Tote verbrannt und ihre Überreste in Urnen bestattet wurden – auch Urnenfelderzeit ge-nannt. Bestattungsbräuche sind also ein entscheidendes Klassifizierungs- kriterium. In der Spätbronzezeit hatte sich die religiöse Vorstellung gewan-delt und Verstorbene wurden fortan verbrannt und in einer Urne bestattet. Von diesen Urnen wurden oft mehrere hundert nah beieinander beigesetzt, es gab ganze Urnenfelder, vergleichbar einem heutigen Friedhof. Daher rührt die Bezeichnung Urnenfelderzeit. 

Hochrangige Persönlichkeiten wurden mitsamt den Insignien ihrer Macht eingeäschert. Die Rückstände – sowohl menschliche Überreste als auch Keramik- und Metallreste – wurden anschließend aus der erkalteten Asche für die Urnenbeisetzung ausgelesen. Erhalten haben sich daher überwiegend Objekte aus Metall. Die wissenschaftliche Aufarbeitung solcher Funde er-laubt Rückschlüsse auf die Verstorbenen, sie ermöglicht aber auch grund-sätzliche Erkenntnisse zu den damaligen Lebensverhältnissen in Europa und ist deshalb von unschätzbarem Wert für die archäologische Forschung. 

Zeitgenossen 

Das Wagengrab von Essenbach stammt aus dem 13. Jahrhundert v. Chr., das Jahrhundert, auf das sich die Sonderausstellung im Germanischen Nationalmuseum konzentriert. In Ägypten herrschte damals Pharao Ram- ses II., der die Tempelanlage von Abu Simbel errichten ließ. Und laut Ilias begann zeitgleich der Trojanische Krieg. Wenn er tatsächlich, wie geschil-dert, stattgefunden hat, waren Odysseus und Achilles – ebenso wie Pharao Ramses II. – Zeitgenossen des Essenbacher Wagenfahrers.