06.02.2019

Alternativen zum Gymnasium

Viele Eltern kennen das: die Kinder werden größer und schneller als man denkt ist auch die Grundschulzeit schon (bald) vorbei, doch: was nun? Wie und vor allem auf welcher Schule soll es nach der 4. Klasse weitergehen? Welche Schulen stehen überhaupt zur Auswahl? Was kennzeichnet eine Mittel- oder eine Realschule? Was bietet ein Gymnasium und was eine Wirtschaftsschule? Was leisten private Schulen? Welche Voraussetzungen, welcher Notenschnitt sind für den Übertritt nötig? Welche Laufbahn und welcher Abschluss ist auf der jeweiligen Schule möglich und wie geht’s danach weiter? Dazu kann beruhigenderweise gesagt werden, dass wir mittlerweile ein allgemein sehr durchlässiges Schulsystem haben, das sehr viele Wahlmöglichkeiten und Chancen bietet. Das bedeutet in der Praxis, dass zum Beispiel bei entsprechenden Leistungen ein Wechsel von einer weiterführenden an eine andere Schule gut möglich ist. Auch mit einem mittleren Schulabschluss muss die Schullaufbahn nicht zwangsläufig zu Ende sein: Abitur, sei es auf einem Gymnasium oder an der FOS, ist dann immer noch möglich. Für manche Schüler ist das vielleicht sogar der geeignetere Weg und einen Abschluss hätte man dann schon mal sicher „in der Tasche“… .

Um den Überblick bei diesem doch sehr komplexen Thema ein wenig zu erleichtern, haben wir hugo!s einen Orientierungsleitfaden zusammengestellt, der mit den wesentlichen Infos weiterhelfen soll: im ersten Teil gibt es zunächst einmal einen generellen Überblick zu den verschiedenen Schularten, deren jeweiligem Profil und möglichen Abschlüssen, im zweiten Teil haben wir uns das Schulangebot der weiterführenden Schulen in Erlangen angeschaut und stellen die einzelnen Schulen mit ihren charakteristischen Merkmalen kurz vor. Immerhin sind das in unserer Stadt drei Mittel- und zwei Realschulen, eine Wirtschaftsschule, sieben Gymnasien sowie drei private Schulen, davon eine Internationale.

Die Mittelschule

Die Mittelschule bietet ein umfassendes Bildungsangebot für Schülerinnen und Schüler aller Leistungsstufen. Sie ist somit Pflichtschule für alle Schüler, die keine andere weiterführende Schulart besuchen wollen oder auf Grund ihrer Leistungen können. Bei einem Gesamtnotendurchschnitt der Fächer Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht ab 3,00 erhält der Grundschüler/in eine Schullaufbahnempfehlung für den Besuch einer Mittelschule. Leistungsstarke Schüler können dann im Mittleren-Reife-Zug (M-Zug) ab der Jahrgangsstufe 7 den mittleren Schulabschluss erwerben. Die Mittelschule umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 9 oder 5 bis 10. Der Unterricht ist stark auf berufsbezogene Inhalte ausgerichtet und garantiert flächendeckend einzeln oder in Schulverbünden eine breite Palette pädagogischer Elemente. Das Bildungsangebot der bayerischen Mittelschule baut auf drei Säulen auf: Berufsorientierung (in drei berufsorientierenden Fächern Technik, Wirtschaft und Soziales), Allgemeinwissen und Persönlichkeit. Lehrplan, Fächerangebot und Unterrichtsmethoden kommen durch lebensnahes und berufsbezogenes Lernen den Interessen, Lernweisen und Begabungen der Schüler entgegen und geben der Schulart ihr eigenes Profil. Englisch wird als erste und einzige Fremdsprache unterrichtet und zu den Hauptfächern Mathematik und Deutsch kommen noch PCB (Physik-Chemie-Biologie), GSE (Geschichte-Sozialkunde-Erdkunde) und AWT (Arbeit-Wirtschaft-Technik) sowie natürlich Sport, Musik und Religions- bzw. Ethikunterricht und auch Kunst, Gestalten und Soziales/Hauswirtschaft. Die Mittelschulen kennzeichnet besonders, dass sie ausgestaltete Kooperationen mit Berufsschulen, der regionalen Wirtschaft und der Arbeitsagentur unterhalten und unter Beibehaltung des Klassenlehrerprinzips die Schüler individuell und modular im Klassenverband fördern.

Folgende Abschlüsse sind möglich:

  • Erfolgreicher Abschluss der Mittelschule nach Jahrgangsstufe 9. Dieser Abschluss wird an Schüler verliehen, die die Jahrgangsstufe 9 erfolgreich besucht haben.
  • Qualifizierender Abschluss der Mittelschule nach Jahrgangsstufe 9. Der qualifizierende Abschluss der Mittelschule ist eine besondere Leistungsfeststellung, der sich Schüler in Jahrgangsstufe 9 zusätzlich und freiwillig unterziehen können.
  • Mittlerer Schulabschluss der Mittelschule nach Jahrgangsstufe 10. Dieser Abschluss verleiht u. a. die Berechtigung berufliche Oberschulen, z. B. die Fachoberschule (FOS), zu besuchen und ist damit gegenüber dem Wirtschafts- und Realschulabschluss gleichwertig.
  • Qualifizierter beruflicher Bildungsabschluss. Der sogenannte „Quabi“ ist ein mittlerer Schulabschluss, den ehemalige Schüler der Mittelschule mit qualifizierendem Abschluss der Mittelschule und einem überdurchschnittlichen Berufsabschluss erhalten können. Er wird von der Mittelschule ausgestellt. Voraussetzungen sind ein Kammerzeugnis mit mind. Gesamtnote 3,0 und der Nachweis von mindestens ausreichenden Englischkenntnissen.

Welche weiterführenden Schulen können nach der Mittelschule besucht werden?

Mit dem erfolgreichen Abschluss einer Mittelschule kann die Berufsschule und die Berufsfachschule besucht werden. Mit dem qualifizierenden Abschluss steht neben Berufsschule und Berufsfachschule der Mittlere-Reife-Zug der Mittelschule sowie die Vorbereitungsklassen offen und der Besuch der zweistufigen Wirtschaftsschule. Mit dem mittleren Schulabschluss am Ende der 10. Klasse oder dem Quabi kann dann die Berufliche Oberschule, d.h. die Fachoberschule oder die Berufsoberschule, eine Fachakademie oder das Gymnasium besucht werden. Natürlich ist bei entsprechendem Notenschnitt (oder ggf. einer Aufnahmeprüfung) auch ein Wechsel an ein Gymnasium oder eine Realschule nach einer Jahrgangsstufe möglich.

Die Realschule

Bei einem Gesamtnotendurchschnitt der Fächer Deutsch, Mathematik sowie Heimat- und Sachunterricht bis einschließlich 2,66 erhält der Grundschüler eine Schullaufbahnempfehlung für den Besuch einer Realschule. Diese umfasst die Jahrgangsstufen 5 bis 10. Ihr Bildungsangebot richtet sich an junge Menschen, die an theoretischen Fragen interessiert sind und zugleich praktische Fähigkeiten und Neigungen haben. Sie vermittelt eine allgemeine und berufsvorbereitende Bildung. An der Realschule gibt es drei Ausbildungsrichtungen, die sogenannten Wahlpflichtfächergruppen. Sie setzen ab Jahrgangsstufe 7 verschiedene Schwerpunkte im Unterrichtsangebot. Die Wahlpflichtfächergruppe I hat den Schwerpunkt im mathematisch-naturwissenschaftlich-technischen Bereich, d.h. verstärkter Unterricht in Mathematik und Physik. Hinzu kommt das Fach Informationstechnologie (IT) mit CAD. Diese Gruppe richtet sich vor allem an Schüler, die in einem technischen/naturwissenschaftlichen Beruf tätig werden wollen.

In der Wahlpflichtfächergruppe II liegt der Schwerpunkt im wirtschaftlichen Bereich und das bedeutet verstärkter Unterricht in Betriebswirtschaftslehre/Rechnungswesen, Wirtschaft und Recht und Informationstechnologie. Die Gruppe richtet sich vor allem an Schüler, die in der Wirtschaft oder Verwaltung tätig werden wollen.

Wahlpflichtfächergruppe III ist unterteilt in Wahlpflichtfächergruppe IIIa (hier liegt der Schwerpunkt auf der 2. Fremdsprache Französisch) und in Wahlpflichtfächergruppe IIIb (hier werden Schwerpunkte in musisch-gestaltenden, im hauswirtschaftlichen oder im sozialen Bereich entsprechend dem jeweiligen Angebot der Schule gesetzt).

Folgender Abschluss ist möglich:

Die Realschule endet mit einer Abschlussprüfung nach der 10. Klasse und verleiht den Realschulabschluss, einen mittleren Schulabschluss.

Welche weiterführenden Schulen können nach der Realschule besucht werden?

Nach der erfolgreich abgeschlossenen Realschule kann dann eine Ausbildung / Lehre begonnen oder aber folgende Schulen weiter besucht werden: die Berufsfachschule, die Fachschule über Berufsausbildung, die Fachakademie über Berufsausbildung, die Fachoberschule (FOS), die Berufsoberschule (BOS) über Berufsausbildung, das Kolleg oder ein Gymnasium.

(Ein Kolleg ist ein Institut der Erwachsenenbildung zum Nachholen der allgemeinen oder fachgebundenen Hochschulreife auf dem zweiten Bildungsweg)

 

Die Wirtschaftsschule

Zu den Besonderheiten des bayerischen Schulwesens zählt eine Schulart, die seit Generationen (nicht nur) kaufmännische Nachwuchskräfte ausbildet: die Wirtschaftsschule. Sie ist eine berufsvorbereitende Schule, die neben einer breiten Allgemeinbildung eine berufliche Grundbildung im Berufsfeld Wirtschaft und Verwaltung und die allseits geforderte ökonomische Grundbildung vermittelt. Neben der theoretischen Bildung ist in einem besonderen Umfang auch die praktische Anwendung des Gelernten Ziel des Unterrichts. Die fünf-, vier-, drei- und zweistufige Wirtschaftsschule steht Schülern des M- Klassen der Mittelschule, Realschülern oder Gymnasiasten offen, wenn sie die jeweilige Jahrgangsstufe bestanden haben oder im Jahreszeugnis in Deutsch, Englisch und Mathe höchstens einmal die Note 5. Im Zweifel bitte an der Schule anrufen, denn Noten von Fächern, die an der Wirtschaftsschule nicht unterrichtet werden, wie Latein, Chemie, etc. bleiben bei dieser Betrachtung unberücksichtigt. Geeignet für den Bildungsweg der Wirtschaftsschule sind auch Schüler aus der Mittelschule mit einer Gesamtdurchschnittsnote von mindestens 2,66 aus den Jahresfortgangsnoten in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch im Zwischenzeugnis oder im Jahreszeugnis (alternativ unter Berücksichtigung der Ergebnisse einer Aufnahmeprüfung in die Mittlere-Reife-Klasse der Mittelschule erzielbar).

Es werden verschiedene Formen der Wirtschaftsschule unterschieden:

– die fünf- bzw. vierstufige Wirtschaftsschule im Anschluss an die Jahrgangsstufe 5 bzw. 6 der Mittel-, Realschule oder des Gymnasiums umfasst die Jahrgangsstufen 6 bzw. 7 -10;

– die dreistufige Wirtschaftsschule im Anschluss an die Jahrgangsstufe 7 der Mittelschule, der M-Klassen der Mittelschule, Realschule oder des Gymnasiums umfasst die Jahrgangsstufen 8 – 10;

– die zweistufige Wirtschaftsschule im Anschluss an die Jahrgangsstufe 9 der Mittel-, Realschule oder des Gymnasiums umfasst die Jahrgangsstufen 10 und 11;

Die Wirtschaftsschule gehört zu den beruflichen Schulen. Deshalb gilt: der Unterricht für die ökonomische Grundbildung weist ein höheres Stundenmaß auf als an vergleichbaren Schularten. Von großer Bedeutung ist dabei die Praxisorientierung. Besonders deutlich wird das an Pflichtfächern wie zum Beispiel „Übungsunternehmen“, „Betriebswirtschaftliche Steuerung und Kontrolle“ (BSK) oder „Informationsverarbeitung“. Das Fach „Übungsunternehmen“ bildet den Kern der anwendungsorientierten und praxisnahen kaufmännischen Ausbildung an der Wirtschaftsschule. Neben der Vermittlung praxisnahen Wissens werden Schlüsselqualifikationen wie Eigeninitiative, Selbstständigkeit sowie Entscheidungs- und Problemlösungsfähigkeit vermittelt. Das Übungsunternehmen ist intensiv an den betriebswirtschaftlichen Unterricht angebunden. Die im neuen Pflichtfach „Betriebswirtschaftliche Steuerung und Kontrolle“ (bisher Rechnungswesen und Betriebswirtschaft) erworbenen Kompetenzen werden phasenversetzt im Übungsunternehmen angewendet und vertieft und befassen sich intensiv mit Alltagsproblemen (Steuererklärung, Bank- und Versicherungsgeschäfte, Bewerbungen, etc.). Damit die wirtschaftlichen Sachverhalte möglichst realitätsnah bearbeitet werden können, findet darüber hinaus im Übungsunternehmen eine starke Vernetzung mit den Inhalten aus dem Fach „Informationsverarbeitung“ (bisher Text- und Datenverarbeitung) statt. Praxisgemäße Anwendersoftware (z. B. SAP, Finanzbuchhaltung, Kalkulation, Auftragsbearbeitung) steht an Wirtschaftsschulen zur Verfügung. Praktika während der Unterrichtszeit und viele Betriebserkundungen runden das praxisorientierte Profil ab!

Folgender Abschluss ist möglich:

Wer an einer der bayerischen Wirtschaftsschulen am Ende der Jahrgangsstufe 10 (der vier- oder dreistufigen Wirtschaftsschule) bzw. der Jahrgangsstufe 11 (der zweistufigen Wirtschaftsschule) die Abschlussprüfung besteht, erhält den Wirtschaftsschulabschluss, einen allseits hochanerkannten mittleren Schulabschluss. Mit dem Wirtschaftsschulabschluss verkürzt sich die Ausbildungsdauer in einem kaufmännischen Beruf um bis zu ein Jahr, wobei für die Anrechnung ein gemeinsamer Antrag der Auszubildenden und Ausbildenden nötig ist.

Welche weiterführenden Schulen können nach der Wirtschaftsschule besucht werden?

Mit dem Wirtschaftsschulabschluss kann dann entweder eine Berufsfachschule, die Fachoberschule (FOS) oder das Gymnasium besucht werden. Nach einer Berufsausbildung ist auch der Besuch einer Fachschule oder -akademie, einer Berufsoberschule (BOS) oder eines Kollegs möglich.

 

(Quelle:www.km.bayern.de + Wirtschaftsschule Erlangen)